802.439 ePaper verkauften die bei PZ Online gelisteten Zeitschriften und Wochenzeitungen pro Erscheinungsintervall im Jahresdurchschnitt 2016. Das ist absolut gesehen eine ganze Menge. In Relation zur verkauften Gesamtauflage sind es gerade mal 0,6 Prozent. Die Wachstumsrate ist allerdings beträchtlich: In den beiden letzten Jahren betrug sie jeweils knapp ein Fünftel. Aus Sicht der Verlage ist das ePaper lukrativ: Die eingesparten Druck- und Vertriebskosten fallen in der Regel höher aus als die entgangenen Einnahmen aus digital nicht realisierbaren Sonderinsertionsformen.

Nur ein kleiner Teil der ADAC-Mitglieder steigt um

In der Gesamtbevölkerung bestehen – bei einer allerdings markanten Generationenkluft – Vorbehalte gegen das Lesen am Bildschirm noch fort. Laut AWA 2016 lesen 62 Prozent längere Texte lieber auf Papier. „Die technischen Möglichkeiten verändern sich rascher als die Präferenzen der Mediennutzer“, stellt dazu Dr. Johannes Schneller in seinem Vortrag fest.

Dieser Befund scheint sich auch beim Mitgliedermagazin des größten deutschen Automobilclubs zu bestätigen: ADAC Motorwelt versorgt im Jahresdurchschnitt knapp 311.000 Mitglieder – das sind genau 2,3 Prozent mit der digitalen Ausgabe. Der ADAC weist alle Mitglieder auf die Möglichkeit des Umstiegs hin. Insofern lässt sich die seit drei Jahren konstant niedrige Quote als Präferenz für die Papierversion deuten. Beim kleineren Konkurrenten ACE Lenkrad schlagen 46.000 Exemplare oder rund acht Prozent der Verkaufsauflage als ePaper zu Buche. VDI Nachrichten, die Wochenzeitung des Verbands Deutscher Ingenieure, kommt auf rund 21.000 ePaper, entsprechend 14 Prozent der Auflage. In der Summe stellen diese drei Verbandstitel mit rund 378.000 fast die Hälfte der gesamten e-Paper-Auflage. Als Wachstumstreiber fungieren aber andere.

Im Nachrichtenjournalismus ist das ePaper schon überdurchschnittlich präsent

Dazu passt, dass viele Tageszeitungen mit dem ePaper schon recht hohe Auflagenanteile realisieren. Wenn man auf die frei verkäuflichen, am Kiosk erhältlichen Zeitschriften und Wochenzeitungen blickt, führen Titel aus dem Nachrichten- und Wirtschaftsjournalismus das Ranking an (siehe Tabelle). Der Spiegel, Bild am Sonntag, Die Zeit und Focus belegen die ersten vier Plätze. Der ePaper-Anteil beträgt zwischen fünf und acht Prozent. Die beiden Zeitungen realisierten beim ePaper letztes Jahr hohe Wachstumsraten von 56 bzw. 32 Prozent, während die beiden Nachrichtenmagazine das schon früher erreichte Niveau nur noch wenig erhöhten. Beim Spiegel entfallen über die Hälfte der ePaper auf den sonstigen Verkauf, bei den drei anderen Titeln überwiegt das Abo. Eine Besonderheit kennzeichnet Bild am Sonntag: Hier besteht das gesamte Abonnement aus ePaper-Exemplaren.

Verlage stellen Teile des sonstigen Verkaufs um

Eine gigantische Wachstumsrate von fast 3.000 Prozent weist das Bergsteiger-Magazin Alpin beim ePaper auf. 2015 verkaufte man nur 150 Exemplare, 2016 stellte man den sonstigen Verkauf fast komplett auf die digitale Variante um. Capital ging ähnlich vor: Ein Großteil des sonstigen Verkaufs wurde auf das ePaper umgestellt. Das Wirtschaftsmagazin hätte die Wachstumsrate von Alpin toppen können, doch es hatte 2015 noch kein einziges digitales Paper in seiner Verkaufsstatistik, und die Division durch Null ist nun mal mathematisch nicht definiert. Auf hohe dreistellige Zuwachsraten kommen die beiden Ausgaben des Kicker, der Playboy und Focus Money. Cicero ist unter den Top Twenty der einzige Titel, der gegen Vorjahr den ePaper-Verkauf in nennenswertem Maße – um 11 Prozent – zurückführte.

 IVW-geprüfte ePaper gibt´s jetzt auch als Bordexemplare und Flatrate-Angebote

Weiteres Wachstum des ePapers dürfte programmiert sein. Seit letztem Herbst räumt die IVW den Verlagen die Möglichkeit ein, e-Paper-Bordexemplare auszuweisen. Unter den Top Twenty macht als bisher einziger Titel der Stern davon Gebrauch. Anfang März 2017 gab die IVW bekannt, dass  auch Flatrate-Angebote in die IVW-Rechnung einbezogen werden können. „Ab sofort können Verlage in ihren Auflagenmeldungen an die IVW auch die Anzahl der ePaper-Exemplare aufnehmen, die sie über Plattformen mit Flatrate-Angeboten verkaufen.“ Bald wird man also bei der IVW und bei PZ Online sehen können, welche Verkäufe die Verlage über Plattformen wie zum Beispiel Readly realisieren.