Nach aktuellen Befragungsdaten von Allensbach und TNS Infratest informiert sich bisher weniger als ein Drittel der Bevölkerung regelmäßig im Internet über das Tagesgeschehen. Dieser Befund ist mit den IVW-Daten über die Visits führender Nachrichtenseiten kompatibel. Demnach sind die Zugriffe in starkem Maße ereignisgetrieben. Wobei im Jahr 2016 leider die unerfreulichen Ereignisse überwogen.

Die Grafik unten zeigt die aufsummierten Visits der acht meistbesuchten überregionalen Nachrichtenseiten im Jahresverlauf. Für 2016 wird das ganze Jahr dargestellt, während für 2015 wegen eines Bruchs in der Zeitreihe nur die Monate Juni bis Dezember gezeigt werden können. Während die Auflagen vieler Printmedien regelmäßig ein „Sommerloch“ aufweisen, war der Juli mit gut 1,1 Milliarden Visits der zugriffsstärkste Monat des Jahres 2016. In diesen Monat fielen der Amoklauf von München, die Terrorattacken von Würzburg und Arnsberg sowie der Putschversuch in der Türkei. Die zweithöchste Zugriffszahl brachte der Dezember mit knapp 1,1 Milliarden Visits – hier spielte der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin eine maßgebliche Rolle.

Auch die weiteren Monate, in denen die Milliarde überschritten wurde, waren meist von Schock-Nachrichten geprägt: Im Januar wurden Übergriffe während der Silvesternacht in Köln und anderen Städten diskutiert, im März gab es den Terroranschlag auf den Brüsseler Flughafen, im November sorgte  Donald Trumps Wahl zum US-Präsidenten für Aufregung. Nur der Juni verlief erfreulicher – hier verhalf offenbar der Beginn der Fußball-EM den Visits zum Sprung über die Milliardengrenze. Im Jahr 2015 wurde diese Grenze nur einmal überschritten: Das war im November jenes Jahres, als Anschläge Paris erschütterten und kurz darauf ein Fußballländerspiel in Hannover wegen der Gefahrenlage kurzfristig abgesagt wurde.

Der Anteil der mobilen Visits ist bei den Nachrichtensites im Jahresverlauf 2016 unter gewissen Schwankungen um neun Punkte auf 56 Prozent gestiegen (Grafik unten). Im Jahresdurchschnitt betrug der Anteil insgesamt 51 Prozent. Über dem Durchschnitt lagen Focus online mit 58 Prozent und Spiegel online mit 54 Prozent.

Die Nachrichtenseiten von Bild, Spiegel und Focus kamen insgesamt im Durchschnitt des Jahres 2016 jeweils über 100 Millionen Visits (Grafik unten). Die höchsten Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahreszeitraum verzeichneten im zweiten Halbjahr Stern.de und Zeit online mit 21 Prozent bzw. 18 Prozent. Die Site des Spiegel, die einen Relaunch vollzog, sowie Süddeutsche.de legten nur unterdurchschnittlich zu.

 

Die Homepage war in der Debatte über “homeless media” angesichts neuer Distributionsplattformen wie Apple News, Facebook Instant Articles und Snapchat Discover von manchen Auguren schon totgesagt worden. Das war vermutlich voreilig. Ein leitender Redakteur der New York Times, Clifford Levy, weist darauf hin, dass die Homepage unverzichtbar sei für die Präsenz der Marke im neuen digitalen Ökosystem. Ein hoher Anteil der Zugriffe auf die Homepage spricht dafür, dass viele Nutzer die Seite direkt aufrufen und kann als Indikator für Markenstärke gelten. Ein niedriger Anteil kann dadurch entstehen, dass viele Zugriffe über “deep links” von Suchmaschinen oder sozialen Medien kommen. Bild.de, FAZ.NET und Spiegel Online wiesen zuletzt die höchsten Visit-Anteile auf der Homepage aus (Grafik unten).

In absoluter Rechnung erhält Bild die meisten Visits aus dem Ausland. Setzt man die Auslands-Visits aber in Beziehung zur Größe der Site, so sind FAZ.NET, Zeit online und Spiegel online besonders gewichtige Stimmen Deutschlands in anderen Ländern.