“Winter is coming”, schrieb der amerikanische Journalistik-Professor Jay Rosen im letzten Dezember. Das war metaphorisch gemeint. Die Perspektiven der US-Presse unter Präsident Trump ließen Jay Rosen frösteln. Doch es kam ganz anders als er glaubte. Es kam der “Trump Bump” – ein plötzlicher, unerwarteter Zuwachs bei Reichweiten und Verkaufszahlen vieler Medien.

Den Hintergrund erhellt eine soeben erschienene Studie des Pew Research Centers. Sie zeigt, dass das Interesse an nationalen Nachrichten bei Anhängern der Demokraten massiv angestiegen ist (Grafik unten). Bekundete Anfang 2016 nur ein Drittel starkes Interesse an nationalen News, so war es ein Jahr später die Hälfte. Bei Republikaner-Anhängern und Unabhängigen tat sich nicht viel. Und auch das Interesse der Demokraten an Lokal- und Weltnachrichten blieb konstant. Kein Zweifel: Die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten am 8. November 2016 war ein Schock für die Anhängerschaft von Hillary Clinton und Bernie Sanders. Ein Schock mit mobilisierender Wirkung.

Von dieser Mobilisierung können Medien mit linksliberaler Grundausrichtung naturgemäß am meisten profitieren, allen voran die New York Times. Ihre Macher erkannten die Gunst der Stunde. Sie gaben dem Trend zusätzlichen Schwung mit rabattierten Abo-Angeboten und einer flankierenden Image-Kampagne. Ergebnis: Die Zahl der Digital-Abos kletterte bis Ende des ersten Quartals 2017 auf gut 1,9 Millionen. Das waren 755.000 Abos oder 65 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (Grafik unten). Das Wall Street Journal, Konkurrent aus dem Murdoch-Imperium, wuchs zwar auch eindrucksvoll, aber doch nicht ganz so stark: Der Verlag meldet jetzt rund 1,2 Millionen Digital-Abos, 305.000 oder 34 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Aus dem Magazinbereich kommen ebenfalls Erfolgsmeldungen. Der Economist beziffert zum Beispiel das Wachstum seiner digitalen Nordamerika-Abos seit der Wahl am 8. November auf 19 Prozent. The Atlantic musste seine Printausgabe Januar/Februar (Abbildung unten) nachdrucken lassen, um die Nachfrage befriedigen zu können. Der bei Condé Nast erscheinende New Yorker meldet ein Allzeithoch seiner Auflage von 1,1 Millionen (digital und Print).

Kurzfristig lag also Jay Rosen mit seiner Winter-Warnung falsch. Im Frühjahr 2017 offenbart Trumps Präsidentschaft ihre erfreulichen Seiten für viele Verlage. Bleibt zu hoffen, dass das Vertrauen der Amerikaner ins politische System nicht weiter erodiert. Sonst würde wohl langfristig auch das Mediensystem Schaden nehmen.